Wir kennen sie alle, die Geschichten über Schultoiletten. Wir können uns lebhaft an zerstörte Toilettendeckel, defekte Seifenspender und den unangenehmen Geruch erinnern. In guter Erinnerung ist die Schultoilette wohl bei den wenigsten Menschen geblieben.
Aber was, wenn wir dies ändern würden?
Ein ungewöhnliches Vorgehen
Die Haustechnikfirma 3Werk kam mit einer ungewöhnlichen Idee auf die Sekundarschule Medebach-Winterberg zu: Was wäre, wenn wir die Toiletten nicht einfach nur reparieren – sondern sie gemeinsam mit denen umgestalten, die sie täglich nutzen? Was wäre, wenn wir Schultoiletten zu einem Wohlfühlort machen?
Man fragte die Schülerinnen und Schüler nicht nur, was kaputt war. Man fragte sie, was möglich wäre.
Was Kinder wirklich sehen
Am vergangenen Montag führten die Schülerinnen und Schüler durch ihre Schultoiletten. Aber sie zeigten mehr als defekte Seifenspender und flackernde Neonröhren. Sie offenbarten eine Perspektive, die Erwachsene oft übersehen: Diese Räume sind nicht nur funktionale Notwendigkeiten. Sie sind Orte zum Durchatmen. Zum kurzen Rückzug. Zum Händewaschen ohne Ekel.
Die Kinder hatten konkrete Vorstellungen: funktionierende Schlösser, ausreichend Toilettenpapier, mehr Privatsphäre. Aber darüber hinaus – und das ist entscheidend – dachten sie weiter: Pflanzen. Spiegel in Augenhöhe. Mülleimer mit Deckeln. Vielleicht sogar eine Sitzgelegenheit im Vorraum.


Mehr als Seifenspender
Also machten die Schülerinnen und Schüler Bestandsaufnahmen. Sie sammelten Wünsche, stimmten ab, diskutierten. Sie entwickelten Lösungen – zusammen mit dem Hausmeister, den Reinigungskräften, den Lehrkräften, den Schulsozialarbeiterinnen und der Schulleitung. Nicht als Bittsteller, sondern als Gestalter ihrer eigenen Toiletten.
Unterstützt von Elektro Hankeln, der WEPA Stiftung und tinkerbrain entstand mehr als eine Renovierung.
„Schultoiletten sind keine Nebensache“, betont Florian Kretzschmar, Lehrer an der Sekundarschule. „Sie sind Orte, an denen Kinder und Jugendliche lernen können, Verantwortung für ihre Umgebung zu übernehmen – und sie sind ein Gradmesser dafür, wie ernst wir ihre Bedürfnisse nehmen.“
Ein Radio spielt nun Hintergrundmusik in den Toiletten – ein Detail, das viele zum Lächeln brachte. Aber es ist mehr als eine nette Geste. Es ist ein Symbol: Dieser Ort verdient Wertschätzung.
Eine neue Geschichte
Das Projekt in Winterberg erzählt uns etwas über menschliches Verhalten: Wir werden zu dem, was man von uns erwartet. Erwarten wir Zerstörung, schaffen wir die Bedingungen dafür. Erwarten wir Verantwortung, ermöglichen wir sie.
Die Schülerinnen und Schüler in Winterberg haben nicht nur Toiletten umgestaltet. Sie haben etwas gelernt: über sich selbst, über ihre Fähigkeiten, über Verantwortung und Mitbestimmung.
In den kommenden Monaten wird der Bereich weiter umgestaltet. Doch die wichtigste Veränderung hat bereits stattgefunden: Die Erkenntnis, dass auch scheinbar unscheinbare Räume Wertschätzung verdienen – und dass junge Menschen nicht das Problem sind, sondern der Schlüssel zur Lösung.