StartBeruf & BildungSchuleSekundarschule Medebach-Winterberg besucht die Suchtstation der LWL-Klinik in Marsberg

Sekundarschule Medebach-Winterberg besucht die Suchtstation der LWL-Klinik in Marsberg

Interview mit Ben und Leana-Marie

Besuche außerschulischer Lernorte bieten durch ihren Realitätsbezug ein vertieftes Verständnis – sie schlagen eine Brücke zwischen Schule und Alltag – und verwandeln theoretische Inhalte in greifbares Wissen.

Das können Leana-Marie und Ben nur bestätigen, für die der Besuch der LWL-Klinik in Marsberg einen viel direkteren Zugang zum Thema Sucht eröffnet hat, als Schule das bieten kann. Schon die Größe der Anlage, das weitläufige Gelände, hat beeindruckt, und die Möglichkeit, mit Patienten vor Ort in den direkten und offenen Austausch gehen zu können, war ein einmaliges Erlebnis, betonen beide. Auch den Zeitrahmen mit 1,5 h fanden sie okay, vielleicht hätte man aber auch einen noch intensiveren Austausch machen können. Vor allem die Gelegenheit des „privaten“ Austausches mit den Patienten – ohne die Anwesenheit der Lehrkräfte – hätte zu intensiveren Gesprächen genutzt werden können, so Leana-Marie. Trotzdem habe sich der Besuch in der LWL-Klinik gelohnt.

Vor allem die persönlichen Lebensberichte fanden beide sehr spannend – auch wenn sie völlig außerhalb ihrer eigenen Lebenswirklichkeit lägen. Es wäre schon hart gewesen, was sie dort gehört hätten. Die Warnungen, die von den Patienten sehr eindringlich an die Schüler und Schülerinnen ergangen seien, wären angekommen, sagte Ben. Dass mancher Start einer „Drogenkarriere“ schon mit 11 Jahren seinen Anfang nehmen kann, haben sie schockierend in Marsberg wahrgenommen. Für beide sind in ihrem Umfeld aktuell härtere Drogen nicht „verfügbar und sichtbar“, und spielen auch in ihren Freundeskreisen keine Rolle. Durch Gespräche im Elternhaus kämen sie auch nicht auf die Idee, Drogen auch nur ausprobieren zu wollen. Sie können sich vorstellen, dass sie diese Haltung auch in Zukunft beibehalten.

Beeindruckend fanden sie, und da war die Vorstellung im Vorfeld eine andere, dass die Patienten freiwillig in die Einrichtung in Marsberg gegangen seien, um ihre Sucht in den Griff zu bekommen – oft auch im Hinblick auf ihre Familien und Kinder. Alle Gesprächspartner hätten im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern eine große Offenheit bezüglich ihrer Lebensschicksale und Suchterkrankungen gezeigt – was umso betroffener macht – so beide. Man habe quasi gespürt, dass ihnen ihre persönliche Botschaft wichtig sei, gar nicht erst mit dem Drogenkonsum zu beginnen. Denn ganze Lebensträume lässt die Sucht zerplatzen – wie z.B. in einem besonders drastischen Fall, als ein SEK-Einsatz dem bisherigen Leben ein Ende bereitete, und schnell wird alles anders.

„Sucht wird es immer geben. Unabhängig von Herkunft und was jemand in seinem Leben macht.“ So Ilona Wolf, seit 30 Jahren gelernte Krankenschwester im Suchtbereich auf der Station 06/7 des LWL-Klinikums Marsberg. (www.lwl-klinik-marsberg.de/de/die-klinik/suchtmedizin/suchtpravention/)

Ein besonderer Dank geht deshalb an dieser Stelle an das Präventionsteam der LWL-Klinik, das mit diesem Gespräch in offener Runde dazu beigetragen hat, dass bestimmt nicht nur Ben und Leana-Marie zum Nachdenken gebracht wurden.

„Bro, lasst den Sch*** sein und packt das Dreckszeug nie an!“

Aktuelles